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„Ein Lauf durch vier Jahreszeiten“

Swiss Alpin Marathon 2004
Ein Laufbericht von Ralf Hübner

Nach dem Rennsteig, Biel und einige kleinere Läufe recht gut gelaufen waren, dachte ich mir, warum nicht noch den SAM mit seinem K78 mitnehmen.“


Fotos Andy Mettler u. Frank Romeike

Also am Mittwoch vor dem Lauf nach Davos (Da wo’s so schön ist) angereist, am Donnerstag nachgemeldet und noch ein wenig durch den Ort gebummelt.

Davos liegt auf einer Höhe von 1560 Metern und ist somit Europas höchst gelegene Stadt. Der Ort liegt in einem Tal, umgeben von Bergen die alle die 2500 Meter überragen. Ein Wander- und Skiparadies. Das Umland von Davos wirkt nicht zuletzt durch seine roten Rhätischen Eisenbahnen wie eine Modellandschaft. Die Schmalspurbahn schiebt sich über alte Viadukte und unzählige Tunnel durch die Berge. Mit den Startunterlagen erhält man auch ein Bahnticket mit dem der wohl schönste Streckenabschnitt von Davos nach St. Moritz abgefahren werden kann. Zur Streckenbesichtigung bietet sich die Teilstrecke zwischen Davos und Bergün an. Auch wenn dieser Streckenabschnitt noch den harmloseren Teil der Laufstrecke darstellt, wie sich später herausstellen sollte

Mit dem K78 begibt man sich auf die Ultramarathonstrecke von 78,5 Km Länge mit 2320 Höhenmetern. Parallel werden noch der C30 und der C42 mit Start in Davos angeboten. Kurz vor den Läufern gehen noch die Mountainbiker des Teamwettbewerbs an den Start. Der Team-Staffelwettbewerb umfaßt eine Mountainbike, eine Inlinestrecke und eine 40,3 Km lange Laufstrecke, welche 3 Läufer unter sich aufteilen. Von Bergün aus hat man noch die Möglichkeit den K42, einen reinen Bergmarathon, mit Ziel in Davos, unter die Füße zu nehmen. Neben diesen Veranstaltungen werden noch ein anspruchsvoller Walk von 31,2 Kilometern und die Miniwettbewerbe angeboten.

Fotos Andy Mettler u. Frank Romeike

Samstagmorgen - der Wettergott meinte es gut mit den Sportlern; kein Wölkchen am Himmel. Um 8:00 Uhr dann gemeinsamer Start zum C30, C42 und eben zum K78. Entsprechend dicht gedrängt das Läuferfeld. Nach ca. 2 km treffe ich auf Sabine Weiß, einer Ultraläuferin die ich in GMH kennengelernt habe. Gemeinsam laufen wir auf der bisher welligen, aber nicht schwierigen Strecke. Von Monstein (Kilometer 15) bis Filisur, dem mit 1200 m ü NN niedrigstem Punkt, geht es bis Kilometer 27 sogar größtenteils bergab. Kurz hinter Wiesen läuft man, auf diesem Streckenabschnitt, parallel zu den Bahnschienen, über das durch zahlreiche Bilder bekannte Wiesen-Viadukt. welches eine rund 100 Meter tiefe Schlucht überquert.

 

Ab Filisur bekommt man einen ersten Eindruck von dem was noch kommen soll. Bis knapp zur Marathondistanz geht es relativ locker bergan, wobei auch hier schon Anstiege a la Monschau zu verzeichnen sind. Kurz hinter Bergün, dem Ziel des C42, wird man dann für den Übermut im ersten Streckenabschnitt bestraft: Bis zur Keschhütte bei Kilometer 50 geht es brutal bergauf. Auf den letzten 5,7 Kilometern zur Keschhütte sind mehr als 800 Höhenmeter zu überwinden. Die Landschaft, anfangs noch von Bäumen durchsetzt, wird immer karger, bis in der hochalpinen Region keine schattenspendenden Pflanzen mehr vorhanden sind. Für 5 Kilometer zeigt meine Uhr 1:14 Stunde; so lange habe ich noch nie für einen 5 Kilometerabschnitt gebraucht; selbst beim Wandern nicht.

Fotos Andy Mettler u. Frank Romeike

2632 m ü NN steht an der Hütte angeschlagen, der höchste Punkt der Strecke war also erreicht. Sabine, von der ich mich bei Kilometer 12 getrennt hatte, ist am Anfang dieses Anstiegs an mir „vorbeigeflogen“ und ward nie mehr gesehen.

Nach Erreichen der Keschhütte geht es ein Stück bergab auf den Panoramatrail, der die Läufer des K78 zum Scalettapass führen wird. Einen immer leicht ansteigenden Weg von ca. 1 m Breite. Der mit einigen Schneefeldern gespickte und von etlichen kleineren Bächen durchkreuzte Weg, bildet für mich den Höhepunkt der Strecke. Die Aussicht von hier ist grandios und entschädigt für einen Teil der Anstrengungen. Nur zum Laufen motivieren kann man sich hier nur sehr schwer. Jeder Überholvorgang muß dem Vordermann angesagt werden. Die schwer zu laufende Strecke, verbietet auch jede Unaufmerksamkeit, so daß man sich zu entscheiden muß: laufen oder Aussicht genießen.


Fotos Andy Mettler und Frank Romeike
Hat man den Scalettapass (2606 m ü NN) erreicht, wird man schon vom Strecken-Doc erwartet und gemustert. Handschlag und Originalzitat: „Grüß Gott! – Du hast Dich genug ausgeruht, jetzt gib mal Gas!“ - Hier begann der für mich angenehmste Teil des Laufes, steil bergab springt und stolpert man bis Dürrboden, von wo der Weg über grüne Wiesen immer leicht bergab bis ins Davoser Dischmatal verläuft. Nach einem Schneefeld am Anfang des Abstiegs geht es also 15 Kilometer lang mehr oder weniger nur bergab, bis kurz vor dem Ziel unerwartet eine kleine Schikane auftaucht die die Oberschenkel am liebsten erwandern möchten. Dieser Abschnitt, vom Scalettapass bis nach Davos, wurde, trotz der Schikane, mein schnellster, gemeinsam mit einem Läufer aus Bergisch-Gladbach kam ich 1:35 Stunde später in Davos und somit im Ziel an. Hier wird als erstes die Startnummer abgestempelt: „Ziel erreicht!“. Danach bekommt man sein T-Shirt ausgehändigt und das „Gänsehaut-Feeling“ ist im Stadionrund garantiert.

Dies wird sicherlich nicht meine letzte Teilnahme an diesem Lauf gewesen sein, allein schon weil die Endzeit noch stark verbesserungsfähig ist.

Fazit: Eine erstklassig organisierte Veranstaltung durch eine grandiose Bergwelt, mit traumhaften Aussichten. Die Verpflegung ist überall mehr als ausreichend und wird von hilfsbereiten und lockeren Betreuern gereicht. Nur sollte man diesen Lauf nicht „mal eben“ mitnehmen wollen, sondern mit gehörigem Respekt angehen.

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Frank Romeike

08.08.2004
Ralf Hübner

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